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Wie plane ich eine Unterrichtsstunde?

Eine Unterrichtsstunde erstreckt sich zwar nur über 45 Minuten, aber sie muss in vielen Hinsichten gut durchdacht sein und vorbereitet werden. Dies kann sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, v.a. wenn man zu den Berufseinsteigern unter den Lehreren / Referendaren zählt – aber das ist vollkommen normal. Erst mit der Zeit lernt man effektiver und effizienter zu arbeiten. Ich werde Dir im Folgenden wichtige Elemente vorstellen, die du auf jeden Fall in deine Planung miteinbeziehen solltest. Grundsätzlich gilt: Halte das Planungsschema von der Seminarschule bzw. eurem Betreuungslehrer/in ein – davon gibt es je nach Seminarschule ganz unterschiedliche Ausfertigungen.

Eine Unterrichtsstunde planen:

  1. Alles beginnt mit dem Thema der Unterrichtsstunde. Darauf baut der Rest auf. Alltagsrelevante Themen sind selbstverständlich schülernäher und man kann die Schüler leichter motivieren, aber es gibt auch sehr theoretische Themen, die durchgenommen werden müssen.
  2. Überlege dir, was du in der Stunde erreichen willst. Was müssen die Schüler in dieser Stunde gelernt haben? Es muss immer ein Hauptlernziel (Grobziel, Stundenziel) geben, was meist durch das Stundenthema formuliert wird. Danach überlegst du dir die Teillernziele. Es sollten nicht mehr als fünf Feinziele angestrebt werden, wobei es natürlich darauf ankommt wie ausführlich du sie formulierst und wie breit sie gefächert sind.
  3. Die Teillernziele strukturieren die Unterrichtsstunde. Jedes Lernziel sollte in einer Erarbeitungsphase erarbeitet werden und danach kurz zusammengefasst und gesichert werden. Überlege dir, welche Sozialform bzw. Aktionsform sich am besten für die Erarbeitung eignet (Nicht umgedreht: Die Sozialfom ist kein Selbstzweck!). In der Unterrichtstunde sollte eine Abwechslung zwischen Partnerarbeit (Gruppenarbeit), Einzelarbeit oder Frontalunterricht bzw. weiteren Formen erfolgen, aber überflute die Unterrichtsstunde nicht damit. Weniger ist oft mehr!
  4. Denke über einen passenden Einstieg nach, der die Schüler für das Thema begeistert und motiviert. Alltagsbezug ist sicherlich von Vorteil, aber leider nicht immer möglich. Abwechslung ist wichtig: Verwende manchmal bunte Folien, den Computer und Beamer, das Internet, ein Hörbeispiel, CDs, Musik, lass einen Schüler etwas vorlesen, schockiere vielleicht mit einem stummen Impuls, lasse ein Schauspiel aufführen, ein Puzzle legen, gib ein Rätsel auf, verwende laminierte Bilder, Blätter, etc., Modelle, Filmausschnitte, usw.
    Gut ist es, wenn sich ein Problem aufgibt und formuliert wird, das man in der Stunde löst.
  5. Plane eine Übungsphase ein, in der die Schüler das Gelernte trainieren. Darüber hinaus geht die Anwendungsphase, in der die Schüler ihr neues Wissen auf andere Probleme übertragen und so den Transfair üben.
  6. Vergiss nie die Sicherung der Ergebnisse in schriftlicher Form. Denke hierbei an kranke Schüler, die eine Chance haben müssen die Unterrichtsstunde und den Inhalt trotz ihrer Abwesenheit nachzuvollziehen und zu verstehen.
  7. Überlege dir sinnvolle Übergänge zwischen den einzelnen Phasen und Lernzielen. Lerne, wenn es notwendig ist, wichtige Überleitungen auswendig.
  8. Baue eine Schlusszusammenfassung ein. Sie ist sehr wichtig! Wenn du merkst, dass du oft nicht soweit kommst, musst du andere Phasen kürzer planen oder etwas weglassen. Die Schlusszussammenfassung sollte durch einen Schüler formuliert werden. Hierzu eignen sich auch abschließende Tests (z.B. mit Hilfe von PowerPoint), Bilderserien, laminierte Karten, etc.
  9. Gib Hausaufgabe auf,die du schriftlich an der Tafel notierst und evtl. von einem Schüler zur Kontrolle vorlesen lässt. Hausaufgaben müssen kontinuierlich aufgegeben werden und konsequent (Strichlisten) überprüft werden.
  10. Bereite einen Puffer vor, falls du schneller fertig bist als erwartet.
  11. Bedenke Alternativen!

Zusammenfassend solltest du den Unterricht methodisch (Welche Methoden und Medien werden eingesetzt?), didaktisch (Welche Lernziele verfolge ich?) und thematisch sinnvoll und gut durchdacht planen. Freiräume müssen möglich sein und zugelassen werden. Vielleicht erreichst du ganz spontan deine Lernziel auch anders. Die Schüler sind der wichtigste Teil der Unterrichtsstunde und mit ihnen geht und fällt die Stunde. Neuere v.a. offene Lernformen wie Stationenlernen, Freiarbeit, Wochenplan oder Projektarbeit erfordern ein anderes planen, wobei oben genannte Aspekte ebenfalls Berücksichtigung finden müssen. Um so mehr man sich als Lehrer in den Hintergrund rückt, umso mehr müssen die Unterrichtsstunden durchgeplant und ausgereift sein.

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